Er war ein großer Brückenbauer und Vermittler zwischen den Kulturen. Ihn faszinierten die Analogien im religiösen Kunstschaffen der Völker. Im Museum Humanum der Peter-Coreth-Sammlung fand er seine Überzeugung von der fundamentalen Einheit der unterschiedlichen Ausdrucksformen bestätigt. Er sprach von Vielfalt in der Einheit.

Aus seiner großen Versöhnungs-Rede für Mitteleuropa, gehalten am 29. April 2OO1 zur Eröffnung der Ausstellung „Verschwundene Lebenswelt, vergessener Alltag – das 2O. Jahrhundert im Spiegel einer mitteleuropäischen Region“ in Fratres.
„Auf dem Weg nach Europa gilt es, alles Trennende abzubauen und neue Verbindungen aus historischer und geographischer Sicht zu suchen und zu verwirklichen. Es gilt aber auch, alte, vergessene Verbindungen wieder neu zu beleben. Dies gilt besonders für den Raum Mitteleuropa, wo die Vielfalt der Religionen und Sprachen zusammentrifft.
Diese Notwendigkeit hat die Kulturbrücke Fratres, im nördlichen Waldviertel gelegen, erkannt und aufgegriffen. Mit grenzüberschreitenden Veranstaltungen wird hier in vorbildlicher Weise versucht, nicht nur große Worte, sondern praktische, vertrauensfördernde Taten zu setzen. Leider ist der Stacheldraht in den Köpfen bei vielen noch nicht verschwunden. Die Last der Geschichte erscheint für jene, die im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg gerade in dieser Grenzregion schweres Unrecht erlitten haben, oft zu groß, um der anderen Seite die Hand zur Versöhnung zu reichen.- Und doch führt an einer echten, christlichen Aussöhnung kein Weg vorbei, wenn die neue Nachbarschaft gelingen soll. Vielleicht könnte eine gemeinsame Gedenkstätte für alle Opfer politischen Terrors auf beiden Seiten, wie sie hier in Fratres entstehen soll, als hoffnungsvolles Zeichen für einen Aufbruch in ein Jahrhundert ohne Haß und Vorurteil verstanden werden.
Heute haben wir, wie zur Zeit des hl. Benedikt, die Last und die Chance eines neuen Anfangs. Das Schicksal dieses neuen Europas liegt in unseren Händen. Je mehr ähnliche Initiativen wie hier in Fratres entstehen werden, desto konkreter wird die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft auf dem Kontinent Europa sein.“

